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Pressestimmen
Südkurier 02.12.2002
Freie Kultur bis tief in die Nacht
Riesenprogramm bei der
zweiten FKK-Nacht im Konzil
Konstanz
Jazz, Irish Folk oder
orientalische Klänge. Jede Menge Tanz, Choreographie und ein kleines
bisschen Theater. "Jeder meckert immer, hier in Konstanz sei nichts los,
aber hier ist ne Menge los". Wie wahr die Worte von Moderator Achim
Eickhoff sind, zeigt sich während einer langen zweiten FKK (Freie Kultur
Konstanz)-Nacht im Konzil. Insgesamt hatten 25 Gruppen und einzelne
Künstler ihren Aufritt bei der "Werkshow" angekündigt und die von
Eickhoff versprochene "atemberaubende Vielfalt" der Konstanzer Kultur
lässt das Publikum im Konzil nicht unbeeindruckt. "Toll" raunt es auf
den Sitzen, als das Ensemble von Konstantin Tsakalidis einen kleinen
Vorgeschmack auf kommende Projekte gibt. Begleitet von Patrick Manzecchi
am Schlagzeug und Naby Simone Oberbeck an der Elektro-Geige, fegen die
Tänzerinnen im hohen Tempo über die Bühne. Das vollgepackte Programm
lässt dem Schlagzeuger keine Zeit zu verschnaufen. Mit dem "Urgestein
der Konstanzer Musikszene", Trommler Bernhard Gedrat, entwickelt
Manzecchi schnelle Percussion-Rhythmen. Auch bei atemberaubender
Schnelligkeit, finden die beiden Künstler noch immer Zeit sich
zuzulachen. Als wäre Trommeln das Leichteste der Welt und ihr Auftritt
ein Riesenspaß. Die jugendlichen HipHopper von Virginia Finnity gehen
die Sache etwas ernster an. Die Gesichter unbewegt vor Konzentration
rutschen und gleiten, hüpfen und gestikulieren nacheinander zwei
Solisten gekonnt über die Bühne. Bei der Gruppe "Capoera Angola" kommt
es auf das Zusammenspiel an: Bei diesem brasilianischen Kampftanz
versuchen sich zwei Kämpfer kunstvoll zu treten oder zu schlagen, ohne
sich tatsächlich zu treffen. Grinsend piekst da der eine im Kopfstand
dem anderen mit dem Finger in den Bauch. Die Strafe kommt sofort: Ein
fingierter Tritt - selbstverständlich aus dem einarmigen Handstand. Nach
einem mitreißenden Afro-Tanz von Virginia Finnity und Liedern von
"Liebe, Leid, Glück und Sorgen der einfachen Menschen" vom El Nour
Ensemble gibt es eine Überraschung: Die Musikgruppe "Diwan" verliert
ihren Pianisten Paul Amrod. Auf der Suche nach einem Bier ist er einfach
abhanden gekommen. Nachdem auch ein Hilferuf der Band durch das Mikrofon
nichts bringt, hilft das Publikum aus. Mit gemeinsamen "Paul" - Rufen
holt man den Amerikaner doch noch an den Flügel. "Das hier ist nicht
zwei in einem, das ist hundert in einem", sagt Zuschauer Andrey Popovich
und lacht. "Sehr facettenreich" findet auch Britta Burth das Programm
der FKK-Nacht. "Es sind viele unterschiedliche Niveaus, das ist das
Schöne", sagt sie. Trotzdem solle es in Konstanz passendere
Räumlichkeiten für so eine große kulturelle Veranstaltung geben, sind
sich Virginia Knittel und Christa Keller einig. Das Ambiente im Konzil
sei nicht so schön. Zwischen den drei Programm-Blöcken drängen sich die
Konstanzer Kulturfreunde ins Foyer. Schließlich gilt es nicht nur, einen
Blick auf die dortigen Ausstellungen und Infostände zu erhaschen,
sondern auch einige der leckeren FKKSpezialitäten zu ergattern. Beim
Stichwort "Pli&;", "Mambo" oder "Tendu" gibt es an der Theke weder
Balletttanz noch heiße Rhythmen, sondern Gemüsekuchen, Kürbis-Mangosuppe
oder vegetarische Antipasti. Derart gestärkt geht es in die zweite und
dritte Runde der langen Nacht. Zu vertanzten Gedichten und Erzählungen,
zum New Orleans Jazz, Improvisationstheater und hypnotisierendem
ägyptischen Tanz.
Katja Reimann
© SÜDKURIER GmbH
Südkurier 20.11.2000
Nix
beschränkte Hoffnung - Kultur war Trumpf
Die erste Nacht der Freien Kultur
Konstanz war lang - und sehr erfolgreich
Mehr
Licht", sind die letzten Worte Goethes auf dem Sterbebett überliefert. Hätte der
Altmeister deutscher Dichtung miterlebt, was sich am Samstagabend in der
Konstanzer Spiegelhalle zutrug, er hätte seinen Ausspruch sicher rasch in "Mehr
Raum" abgewandelt. 50 Neugierige hatten bereits im Vorverkauf keine Karten mehr
ergattern können, 100 Besucher warteten schliesslich vor dem Veranstaltungsort
vergeblich auf Einlass - während sich drinnen mehr als 200 Besucher auf den
Rängen, am Boden und in den Gängen drängten. Ein Staatsbesuch als Anlass des
Massenauflaufs? Mitnichten. FKK - Freie Kultur Konstanz -lautete das Stichwort,
das die Konstanzer in Scharen strömen liess. Viel künstlerisches Potential
liegt brach in Konstanz; für freie Projekte gibt der städtische Förderungstopf
nur 5000 Mark jährlich ab. Eine Bestandsaufnahme, die Gerhard Detzel und
Konstantin Tsakalidis zum Handeln trieb. Die Freunde gründeten eine freie
Kulturinitiative, die mittlerweile als Projektgruppe "Freie Kultur Konstanz"
unter dem Dach des Stadtmarketing arbeitet. In der Spiegelhalle reflektierten
nun fast 20 Programmpunkte, wie aktiv, kreativ und engagiert die freie
Kulturszene in Konstanz ist - und wie viel Potential zu neuen Projekten in ihr
steckt. Konstanz - Stadt des Tanzes hätte man beim Blick auf das Programm
denken können. Bekannte Grössen der hiesigen Szene wie Christine Uhl, Michael
Kellenberger oder Stefanie Strehlow gaben ihre tänzerischen Visitenkarten ab.
Sicher Höhepunkte in der Sparte Ausdruck durch Bewegung: Peter Czerners
Choreographie "sharing space" mit herausragenden Tänzerinnen und Petra Eischeids
lautstarke, rhythmische Version des philippinischen Stockkampfes, bei der auch
die Ölfässer a la "Stomp!" nicht fehlten. Musik, ein bisschen Clownerie zur
Einstimmung in die Pausen gab s im mehr als dreistündigen Programm - und
Theater. Die meisten Lacher hatte dabei sicher "Liebe im Büro", eine Produktion
der FH, auf ihrer Seite. (O-Ton OB Horst Frank, der zu seinem zweiten
Abendtermin in die Spiegelhalle eilte, und sogleich von Moderator Achim Eickhoff
ans Mikrofon gebeten wurde: "Bei mir im Büro geht s nicht so zu!") Oder waren
vielleicht die alten Hasen vom (Impro)-"Theater mit beschränkter Hoffnung"
witziger mit ihrer klassischen Tragödie unter dem Titel "Die Komplizierte",
Hauptperson "Bürgermeister"? Ist eigentlich egal, denn begeistert oder
zumindest interessiert wurden alle freien Künstler aufgenommen - ob sie nun
tanzten, trommelten und dazu aus dem Nähkästchen, pardon, aus der Trommelhülle
plauderten (Bernhard Gedrat mit Freunden) oder mit Ta Ke Ti Na eine
Rhythmusmeditation zeigten (Johannes Esser mit Kompagnie). Insgesamt eine
überzeugende Selbstdarstellung der freien Kultur in Konstanz. Nun hoffen die
Initiatoren, dass auch die Stadt überzeugt ist - und der freien Kultur mehr Raum
-finanziellen wie wörtlich verstandenen in Form von Proben- und
Veranstaltungsorten- zur Verfügung stellt.
Alexia
Sailer
©
SÜDKURIER GmbH
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